Christopher Braun

Christopher Braun Das Kitāb Sidrat al-muntahā des Pseudo-Ibn Waḥšīya

Das Kitāb Sidrat al-muntahā des Pseudo-Ibn Waḥšīya

Einleitung, Edition und Übersetzung eines hermetisch-allegorischen Traktats zur Alchemie

Islamkundliche Untersuchungen Band 327

Klaus Schwarz Verlag
Sprache: Deutsch
1. Auflage ()
Paperback, 160 Seiten
ISBN 9783879974498
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Die künst­liche Herstel­lung von Gold war ein lang gehegter Traum in der vormo­dernen isla­mi­schen Gesell­schaft. Zahl­reiche Alche­misten widmeten sich der Suche nach dem Elixier, welches auch „Stein der Weisen“ genannt wurde. Dieses sollte die Trans­mu­ta­tion von unedlem Metall in Silber und Gold ermög­li­chen. Sie hinter­ließen dabei eine beein­dru­ckende Anzahl an Texten, von denen bis heute nur ein sehr geringer Teil philo­lo­gisch ersch­lossen und einge­hend unter­sucht wurde.
Das hier zum ersten Mal heraus­ge­ge­bene und über­setzte Werk Kitāb Sidrat al-muntahā des Pseudo-Ibn Waḥšīya demon­s­triert die außer­ge­wöhn­liche Viel­falt arabisch-alche­mis­ti­scher Lite­ratur. Der herme­tisch-alle­go­ri­sche Traktat über­lie­fert angeb­lich den Inhalt eines in Memphis gefun­denen Buches, das als „Tafel des Hermes“ präsen­tiert wird. Dieses Buch besch­reibt zunächst die Entste­hung der Welt aus der Asche des Sidrat al-muntahā, des Zizy­phus­baumes an der äußersten Grenze (vgl. Q 53:14 u. 16). Es folgt ein alle­go­ri­scher Wett­st­reit zwischen der Seele (an-nafs) und dem Verstand (al-ʿaql), der in der Erschaf­fung des Menschen durch den Verstand mündet. In einem ansch­lie­ßenden Zwie­ge­spräch mit Gott erfährt der Verstand, dass das Elixier zur Herstel­lung von Gold im Menschen selbst vorhanden sei.
Der in diesem Traktat präsen­tierte Synk­re­tismus reli­giöser Vorstel­lungen und natur­phi­lo­so­phi­scher Über­le­gungen bezeugt, dass die arabi­sche Alchemie Raum für außer­ge­wöhn­liche Inter­pre­ta­tionen des Kosmos und der Natur des Menschen bot. Das Kitāb Sidrat al-muntahā liefert somit einen neuen Einblick in die intel­lek­tu­ellen Diskurse im vormo­dernen Ägypten, die nicht den Zwängen des offi­zi­ellen isla­mi­schen Wissen­schafts­be­triebs unter­worfen waren.