Hatice Bayraktar

Hatice Bayraktar »Zweideutige Individuen in schlechter Absicht«

»Zweideutige Individuen in schlechter Absicht«

Die antisemitischen Ausschreitungen in Thrakien 1934 und ihre Hintergründe

Islamkundliche Untersuchungen Band 297

Klaus Schwarz Verlag
Sprache: Deutsch
1. Auflage ()
Paperback, zahlr. histor. Abb., 282 Seiten
ISBN 9783879973729
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Die Türki­sche Repu­blik, gegründet 1923, zeigte sich gegen­über der jüdi­schen Min­­der­heit im Lande weitaus weniger tole­rant als ihr Vorgänger, das plura­lis­ti­sche osma­ni­sche Viel­völ­ker­reich. Der erstar­kende türki­sche Natio­na­lismus am Vora­bend des Zweiten Welt­kriegs, eine ausge­prägte Angst vor allem Fremd­ar­tigen und anti­jü­di­sche Pres­se­kam­pagnen bilden den Hinter­grund für die gewalt­samen anti­se­mi­ti­schen Aussch­rei­­tungen, die sich im Sommer 1934 zeit­g­leich in fast allen Städten und Gemeinden Türkisch-Thra­kiens abspielten und die ihren Höhe­punkt in einem regel­rechten Pogrom in der grenz­nahen Stadt Kïrkla­reli fanden.
Dieser Ausbruch anti­jü­di­scher Gewalt ist bis heute in der viele Jahr­hun­derte alten türkisch-jüdi­schen Geschichte beispi­ellos und kam für die meisten Opfer völlig uner­wartet.
Die türki­sche Regie­rung führte die Unruhen auf Einflüsse aus dem Ausland zurück, denn Anti­se­mi­tismus sei »kein türki­sches Produkt«, so der damals amtie­rende Minis­ter­­prä­si­dent Ismet Inönü. Hatice Bayraktar zeigt in ihrer Forschungs­ar­beit, dass ent­­gegen der offi­zi­ellen türki­schen Stel­lung­nahme die Ursa­chen des anti­jü­di­schen Ge­wal­t­aus­bruchs 1934 jedoch nicht im Ausland, sondern in den poli­ti­schen Ent­­wick­­lungen inner­halb der Türkei zu suchen sind, und dass man zu den Draht­zie­hern der Unruhen höchst­wahr­schein­lich auch Vert­reter der dama­ligen türki­schen Regie­rung zählen muss.
Bisher nicht zugäng­li­ches Archiv­ma­te­rial dient als Grund­lage dieser Studie.