Ulrike Stohrer

Ulrike Stohrer Bar'a

Bar'a

Rituelle Performance, Identität und Kulturpolitik im Jemen

Studies on Modern Yemen 8

Klaus Schwarz Verlag
Sprache: Deutsch
1. Auflage ()
Paperback, 252 Seiten
ISBN 9783879973613
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Kultu­relle Ausdrucks­formen wie Musik und Tanz dienen häufig der Vermitt­lung poli­ti­scher Ziele im Kontext natio­naler Iden­ti­täts­bil­dung. Das jemeni­ti­sche Kultus­mi­nis­te­rium setzt die perfor­ma­tive Gattung Bar'a ein, um eine homo­gene Natio­nal­kultur zu schaffen. Dies bedingt jedoch gravie­rende formale und konzep­tio­nelle Eingriffe in das imma­te­ri­elle Kultur­erbe des Jemen und löste eine gesell­schaft­liche Debatte um die kultu­relle Inte­grität aus. Der Bar'a gilt nach euro­päi­scher Defini­tion als Tanz, ist jedoch im Jemen eine eigene, klar vom Tanz (arabisch raqs) getrennte Gattung. In der tribalen Gesell­schaft des jemeni­ti­schen Hoch­landes hat er eine hohe soziale Bedeu­tung als Kommu­ni­ka­ti­ons­mittel und Ausdruck lokaler Grup­pen­i­den­ti­täten. Von Männern anläss­lich Stam­mes­treffen, Hoch­zeiten, reli­giöser und staat­li­cher Feier­tage ausgeübt, dient er im tribalen Empfangs­ri­tual der Konf­likt­ver­mei­dung und der Inte­g­ra­tion Fremder. Die ethno­lo­gi­sche Studie analy­siert zunächst Choreo­gra­phie und ritu­elle Auffüh­rungs­praxis des Bar'aund setzt sie in Bezie­hung zu allge­meinen Verhal­tensnormen und sozialen Werten im Jemen. Das sich hieraus erge­bende Bewe­gungs- und Gesell­schafts­kon­zept bietet eine eigene Perspek­tive auf arabi­sche Prin­zi­pien der Kate­go­rie­bil­dung und auf die isla­mi­sche Debatte um die Statt­haf­tig­keit von Musik und Tanz. Es erklärt auch, warum die neue Rolle des Bar'a in der staat­li­chen Kultur­po­litik - erkennbar in dem von sozia­lis­ti­schen Konzepten geprägten Natio­nal­stil des staat­li­chen Folk­lore-Ensem­bles und seiner kate­go­rialen Umde­fi­nie­rung als Tanz (raqsah al-bar'a) - auf den Wider­stand der Bevöl­ke­rung stößt.