György Hazai

György Hazai Die Geschichte der Ungarn in einer osmanischen Chronik des 16. Jahrhunderts

Die Geschichte der Ungarn in einer osmanischen Chronik des 16. Jahrhunderts

Tercüman Mahmuds Tarih-i Ungurus

Studien zur Sprache, Geschichte und Kultur der Turkvölker 8

Klaus Schwarz Verlag
Sprache: Englisch
1. Auflage ()
Hardcover, 484 Seiten
ISBN 9783879973552
Verfügbarkeit: sofort lieferbar
88.00 € 

In den Einkaufswagen

Der Titel dieser Chronik, Tarih-i Ungurus, stammt von dem bekannten unga­ri­schen Turko­logen Armin Vámbéry, der diese Hand­schrift in den fünf­ziger Jahren des 19. Jahr­hun­derts in Istanbul entdeckt hat (Ungar. Akad. d. Wiss., Hs. Török F. 57). Der Autor des Werks, Tercüman Mahmud, war ein bekannter Diplomat des osma­ni­schen Hofes. Nach seiner Darstel­lung hat er nach der Erobe­rung von Székes­fehérvár (Stuhl­weis­sen­burg) durch die Osmanen 1543 in der dortigen Biblio­thek ein in Latein verfasstes Buch gefunden, das eine ausführ­liche Darstel­lung der Geschichte der Ungarn enthielt. Er befand es für wichtig, dieses Werk ins Türki­sche zu über­setzen und damit dem Sultan ausführ­liche Kennt­nisse über Ursprung, Land­nahme und Entwick­lung der Ungarn zu vermit­teln. Die Text­ana­lyse des Werks zeigt, dass seine wich­tigste Quelle für die Geschichte der Ungarn die soge­nannte Wiener Bilder­chronik (Beginn des 14. Jh.) war. Was den danach folgenden Zeitraum betrifft, so hat er eine andere unga­ri­sche Chronik benutzt (wahr­schein­lich das Werk von Thúróczy). Für die Kämpfe der Ungarn mit den Türken im 15./16. Jahr­hun­dert hat er vermut­lich aus der osma­ni­schen münd­li­chen Über­lie­fe­rung gesc­höpft. Den einlei­tenden Teil der Chronik bildet eine Darstel­lung der Feld­züge von Alex­ander dem Großen und Attila nach Westen, die orga­nisch in die Geschichte der Ungarn einge­baut ist. Die Besch­rei­bung des Aufs­tiegs und der Erobe­rungen Alex­an­ders stammen aus der Welt­chronik des Marcus Junianus Justinus. Die Darstel­lung seines Feld­zuges nach Westen, die mit der Erobe­rung von Wien beginnt, ist eine geschickte Fiktion des Autors, mit der er Süleyman den Präch­tigen zur Fort­set­zung seiner Best­re­bungen, Wien zu erobern, anspornen wollte. Demselben Ziel dient auch die Besch­rei­bung der Feld­züge von Attila nach Westen. Damit entlarvt sich der einlei­tende Teil der Geschichte der Ungarn als eine poli­ti­sche Zweck­schrift des Autors, womit er zu aktu­ellen Fragen der Zeit Stel­lung nehmen will. Wer aber ist der sprach­kun­dige, histo­risch bewan­derte Tercüman Mahmud? Quellen belegen, dass der berühmte osma­ni­sche Diplomat in Wien geboren und als junger Mann in den Dienst der Osmanen getreten ist. Manche Text­s­tellen legen die Vermu­tung nahe, dass er im gege­benen Falle ein hohes Amt in seiner Geburts­stadt anst­rebte.