Uta Bellmann

Uta Bellmann »Orientierungen«

»Orientierungen«

Über die Entstehung europäischer Bilder vom Orient und von Arabien in der Antike. Einflussfaktoren und stereotype Fortführungen im Mittelalter

Islamkundliche Untersuchungen Band 295

Klaus Schwarz Verlag
Sprache: Deutsch
2. durchges. Auflage ()
Paperback, zahlr. Abb., 192 Seiten
ISBN 9783879973705
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Schon sehr früh hat das antike Europa seinen fragenden Blick gen Osten schweifen lassen, in die geheim­nis­vollen, unsteten Weiten des Orients. Immer auch waren die dort lebenden Völker­schaften inclu­sive der unab­ding­baren Fabel­wesen Gegen­stand der zugleich furch­t­er­re­genden wie faszi­nie­renden Über­lie­fe­rungen und Erzäh­lungen. Aber seit wann werden Orien­talen in Europa doku­men­tiert, wo begann sich zuerst ein Bild von ihnen zu entwi­ckeln, und wo sind die Araber hier einzu­ordnen?
Begin­nend im antiken Grie­chen­land verfolgt die Autorin über den Zeitraum von 2000 Jahren die Entste­hung euro­päi­scher Orient­bilder und öffnet dabei Einsichten in die zugrunde liegenden Moti­va­ti­ons­lagen ihrer Erschaffer. Nicht erst in der Neuzeit, sondern bereits im 4. Jahr­hun­dert v.Chr. findet die Idee einer okzi­den­talen Über­le­gen­heit Anhänger. Philo­so­phisch befeu­erte Diskurs­f­rei­heit und atti­sche Demo­k­ratie stehen orien­ta­li­scher Despotie gegen­über und markieren die Anfänge einer gleich­wohl am Osten ausge­rich­teten euro­päi­schen Posi­tio­nie­rung.
Im abend­län­di­schen Mittelalter dann erwächst der Orient zu einer stereotyp ausge­stal­teten Gegen­welt. Dort sind den einzelnen Regionen Denk- und Fanta­sie­felder zuge­teilt, in die sich west­liche Vorstel­lungs­rei­sende gefahrlos begeben können. Die zwischen ehrfürch­tiger Bewun­de­rung und verach­tender Ableh­nung schwan­kenden Gebilde west­li­cher Orient­wahr­neh­mung sind untrennbar mit ihren histo­ri­schen Kontexten verbunden. In der longue durée betrachtet erhellt sich ihr Funk­ti­on­scha­rakter als Baustein euro­päi­scher Iden­ti­täts­ge­rüste, die in ihrem unstill­baren Bedürfnis nach Abgren­zung im Orient ihre Gegen­bilder erfanden.
Das wohl­feile Mittel der Frem­den­angst erscheint vorder­gründig plau­sibel und notwendig, führt aber zugleich ziel­ge­richtet in die logi­sche Sack­gasse.